Die Zweite Geburt
Eine geistig-emotionale Herausforderung


In unserem innersten Selbst schlummern „ewig-gültige“ Gesetze, präzise Verhaltensnormen, natürliche Gerechtigkeitsempfinden, unermessliche Liebespotentiale, die nur darauf warten entdeckt, verstanden und genutzt zu werden. Aber ohne Suche, keine Entdeckung, ohne sich in Frage zu stellen, kein Fortschritt.

„Gott sah alles an, was Er gemacht hatte: Es war sehr gut“ Gen. 1,31


Bei Gelegenheit einer Gewissenserforschung kann niemand seine zunehmende Egozentrik ignorieren. Eine langsame aber konsequente Wertverschiebung macht sich im Bewusstsein des westlichen Menschen breit. Die heutigen Ziele sind nicht mehr die seit Jahrhunderten bestehenden Vorbilder, sondern zunehmend materielle Werte beherrschen die Szene. Die Übersättigung der visuellen und auditiven Aufnahmekanäle mit nützlichen und besonders überflüssigen Informationen bringt den Menschen in einen extrem komplizierten Selektionszwang. Und weil das angebotene Informationsmaterial zu einem hohen Prozentsatz minderwertige, vereinfachte oder extreme Bilder und Schablonen beinhaltet, ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass regressives Material zurückbehalten wird, bewusst aber besonders unbewusst. Die schleichende Konsequenz dieses Vorgangs bringt mit sich, dass neue Leitbilder altbewährte überlagern und verdrängen. Die neuen persönlichen "Ideale" in unserer heutigen westlichen Welt werden immer mehr von Geld, Profit, Sucht nach Macht und Wichtigkeit bestimmt, vom Traum eines einfachen, kurzfristigen Erfolgs oder Scheinerfolgs. Nach dem "Tod von Gott" bei Nichtchristen verschwindet Christus allmählich aus dem Bewusstsein der Christen, die Verbindung zum Transzendenten verkümmert. Die "persönliche" Beziehung zu Christus siecht dahin, sie wird überlagert von einer allzu materialistischen Anziehung. Die geistige Dimension wird verdrängt. Dem Menschen bleibt kaum noch Interesse an einer Öffnung in Richtung einer nicht-materiellen Welt, an transzendenten Werten.

Was versuche ich mitzuteilen?

Diese Schrift soll Ansporn und Hilfe sein in einer sich ständig und immer schneller ändernden Umwelt. Es geht nicht um wissenschaftlich oder theologisch einwandfreie Beweisführung. Primär geht es um eine Vermittlung von Ideen, Prinzipien und Erfahrungen über das Zusammenleben von Menschen inmitten einer sich dauernd verändernden Welt. Ursprung und Urgrund des Lebens offenbaren sich demjenigen, der in Bescheidenheit das Staunen, das Sich-in-Frage-stellen noch nicht verlernt, im Tanz um das "Goldene Kalb" das Unterscheidungsvermögen noch nicht eingebüßt hat. Das Wirken einer Urkraft ist intuitiv erkennbar, man muss allerdings "mit den Augen sehen und den Ohren hören und mit dem Herzen wahrnehmen". Immer und überall ist ihre Präsenz erkennbar, in den warmen Strahlen der Sonne, in dem bezaubernden Klang einer Klaviersonate, in den komplexen Abwehrmechanismen des Körpers, aber auch im Blick eines Menschen.

Meine Überlegungen befassen sich mit dem bewussten und unbewussten Impakt der Botschaft Jesu Christi im Umfeld des 21. Jahrhunderts. Ohne den Kontakt mit den Mythen, den Evangelien und den apokryphen Texten zu verlieren, ohne sie aber überzubewerten, wird versucht, die Worte Christi in unsere Zeit zu interpretieren und deren tiefen Sinn zu intuieren. Sie bedeuten auch nach 2000 Jahren die "Quintessenz" des Wichtigsten des Christentums. Christus redet nicht von einer Kirche mit Geboten und Verboten, sondern von selbstgewähltem Engagement und persönlicher Freiheit. Jesus spricht nicht von der Auferstehung der Menschen nach dem Tode, sondern von Lebensfreude unter Mitmenschen, von Hilfe für die Armen, von Aufnahme der Ausgeschlossenen. Jesus zeigt Verständnis für Sünder und deutet im gleichen Augenblick einen möglichen Ausweg aus der Verfehlung an. Er droht nicht mit ewiger Verdammnis. Von den "menschlichen" Sünden, den Sünden des „Fleisches“, redet er kaum. Für Christus hingegen ist die im Geist entstehende Hybris, „Wer ist wie Gott“, die Revolte gegen den "Heiligen Geist", das schwerste Vergehen. Der Mensch sollte nicht versuchen sich Gott gleichzustellen, sondern er sollte sich dem Geist Gottes öffnen. Christus redet nicht von Religion und Spiritualität, sondern von Liebe und von Transzendenz: Liebe als zentrales Thema seiner Botschaft und Transzendenz im Sinne einer Elevation des Menschen hin zu seinem geistigen Vater.

Wie ist der Aufbau?

Das Manuskript umfasst, nach einer Einführung, verschiedene Themenbereiche. Jedes Thema, in mehrere Kapitel aufgeteilt, ist als mehr oder weniger unabhängiger Beitrag zu einem Teilaspekt eines kohärenten Gesamtkonzeptes gedacht. Durch verschiedene Beleuchtungen und unter mannigfaltigen Blickwinkeln entdeckt der Leser nach und nach die Zusammenhänge die zu dem Kern der Botschaft Jesu führen.

Erstes Thema : die Welt in der wir leben

Erste Überlegungen beschäftigen sich mit der heutigen Welt, insbesondere mit der Wirtschaft, der Physik, der Kirche und der Beziehung zwischen Glauben und Wissenschaft. Um den vielfältigen Herausforderungen in Wirtschaft, Umwelt und Sozialem begegnen zu können, ist es unumgänglich die auf linearem Wachstum basierende heutige Wirtschaftsordnung durch ein nach ökologischen Prinzipien ausgerichtete Ordnung abzulösen. An Hand von Beispielen wird die Strenge der Naturgesetze beschrieben. Die Naturkonstanten sind in der Tat die Ecksteine des Universums. Das Verständnis der Umwandlung von Materie in Energie enthüllt die unglaublichen potentiellen Energiemengen, die in der Materie schlummern. Die der Physik zugrunde liegenden Prinzipien kommen in verschiedenen Varianten auch im menschlichen Bereich zur Anwendung. In der jahrhundertalten Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und Glauben ist ein Waffenstillstand in Aussicht: Glaube an den Schöpfergott und Vertrauen in die Wissenschaft schließen sich nicht mehr gegenseitig aus. Dennoch muss die Frage gestellt werden, ob, angesichts der vielfältigen Herausforderungen, die Kirche wirklich in der Lage ist, sich fundamental zu erneuern und wesentlich zu ändern ?

Zweites Thema : Mythologische Quellen gründen tief : die "ewige“ Rolle der Frau

Dieses Thema macht einen Rückblick in eine ferne Vergangenheit, in die Welt der griechischen Mythologie. An Hand von Erzählungen sollen die tiefen Wurzeln der mythologischen Interpretation der « ewigen » Rolle von Mann und Frau gezeigt und in unsere heutige Zeit projiziert werden. Die Botschaften der "Götter" sind verschlüsselt, sie werden den Sterblichen durch Sagen, Geschichten oder Mythen mitgeteilt. Stellvertretend für ähnliche Erzählungen aus zahlreichen Kulturen werden die Mythen von Ödipus und der Argonauten und das goldene Vlies analysiert. Es wird versucht die chiffrierte Botschaft zu entziffern und sie in unsere heutige Zeit umzusetzen. Die geheimen Kräfte der Mythen wirken auch heute noch in der Psyche genauso wie vor vielen Jahren. In dem Prozess der zweiten Geburt nimmt die "ewige Frau" eine Sonderstellung ein. Als Trägerin des neuen Lebens, verfügt die Frau über ein unschätzbares, intuitives Wissen. Sie besitzt die Fähigkeiten den Mann auf seiner Suche zu beraten, zu begleiten und zu führen, aber auch zu zerstören. Für Männer ist dies besonders schwierig, wenn überhaupt, zu verstehen. In zahlreichen Mythen wird die komplementäre Funktion der Geschlechter treffend geschildert. Jeder hat seine Stärken und Schwächen; diese zu erkennen und zu akzeptieren ist ein wichtiger Bestandteil der Kunst des Lebens und Liebens. Jeder hat seinen eigenen Initiationsweg und sein eigener Reifungsprozess. Umgesetzt in unsere Zeit, ergeben die tiefgründigen mythologischen Erkenntnisse ein neues Rollenverständnis für die Frau von heute. Das Bild vom Schönheitsideal einerseits und Gebrauchsobjekt andererseits wird durch eine ausgeglichene, partnerschaftliche Vision verdrängt. Die Frau muss sich allerdings ihrer "ewigen" Rolle bewusst werden.

Drittes Thema : Gottes Plan in der Genesis
Biblische und andere Schriften

Der angestellte Vergleich westlicher Denkart mit östlicher Weisheit ist insofern interessant, weil beide mit total verschiedenen Grundeinstellung arbeiten : ein duales, polarisiertes Verständnis wird konfrontiert mit einem einheitlichen Prinzip, das kontradiktorische Elemente integriert. Beide kommen, jeder mit seinem Konzept, zu konvergierenden Resultaten. Seit es sie gibt sind Menschen auf der Suche nach höheren oder einem höheren Wesen. Es ist demnach nicht erstaunlich festzustellen, dass die "Denkübungen" sehr unterschiedliche Resultate aufweisen. Die östliche Methodik zeichnet sich durch ein sehr originelles Einheitskonzept aus. Die Verschmelzung kontradiktorischer Ansätze zu einer inneren Festigkeit ist besonders im Taoismus sichtbar. Teilhard de Chardin und C.G. Jung haben sich sehr intensiv mit Taoismus beschäftigt. Beide haben den Zusammenhang von psychischer und kosmischer Energie beschrieben. Sie waren beide überzeugt dass Mensch und Natur ein und dasselbe ist und dass ein harmonisches Zusammenleben die inneren und die äußeren Kontradiktionen überbrücken kann. Das Alte Testament und das Neue Testament sind eine überwältigende Liebesgeschichte zwischen Gott und den Menschen. Wie in der Genesis angedeutet, wurde das Reich Gottes geplant. Mann und Frau wurde eine spezifische Rolle mit entsprechender physischer und geistiger « Ausrüstung » zuerkannt. Die Ausführung des Planes ist festen Prinzipien unterworfen. Seit Menschengedenken verbindet ein Vertrag beide Seiten. Aber die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ist einem oberflächlichen Gleichberechtigungswahn zum Opfer gefallen. Die Finalität des Planes ist in Vergessenheit geraten. Das gnostische Thomas Evangelium zeigt im Vergleich zu dem Johannes Evangelium erstaunliche und tiefgründige Differenzen ohne aber kontradiktorisch zu sein. Das gnostische Evangelium nach Thomas wird mit dem Johannes Evangelium verglichen. An Hand von Beispielen wird die Dynamik der gnostischen Konzeption im Gegensatz zur statischen Johannes Auslegung geschildert.

Viertes Thema : Bewusstseinentwicklung
auf dem Weg zum "homo ecologicus"

Die Entwicklung des Bewusstseins ist das vierte Thema. Bei jeder Geburt fängt die geistige Entwicklungsgeschichte der Menschheit wieder von vorne an. Die verschiedenen Bewusstseinsebenen reihen sich aneinander auf dem komplexen Weg zur Reife. Die Krone der Entwicklung ist der „homo ecologicus“, ein Mensch der sich seinen Mitmenschen und seiner Umwelt optimal anpassen kann, und eine gewisse positive Aktivität entfaltet. Von Geburt bis zum Erwachsenenalter durchläuft das Bewusstsein einen komplexen und vielgefächerten Reifungsprozess. Die phänomenalen Möglichkeiten des menschlichen Gehirns werden noch lange nicht voll genutzt. Ermöglicht durch ein unabschätzbares Entwicklungspotential, streben die geistigen und psychischen Fähigkeiten des Menschen einer immer komplexer werdenden Struktur zu. Psynergetische Quellen sind für das geistig-psychische Gleichgewicht genauso wichtig wie die Nahrung für den Körper. Im Energie-Haushalt geistiger Aktivitäten fällt der Psynergie oder psychischen Energie eine zentrale Rolle zu. Durch Ausfuhr von Psynergie kann die innere Psynergie Herstellung angeregt werden. Äußere Quellen können recht verschiedenartig sein : vom Wissensdrang über materiellen Besitz hinüber zum Familienkreis nach sozialem Engagement. Das Konzept der inneren Energie ist in Indien unter weiblicher Kundalini Energie bekannt. Es wird hinterfragt, ob der Weg zum « Selbst » neue innere Energiequellen erschließen kann.
Es wird versucht die elementare Wichtigkeit der Mutterbindung zu verstehen. Die Mutterbindung hinterlässt tiefe Spuren in der emotionalen und psychischen Charakterlandschaft. In der Entwicklung der männlichen Psyche wird die Abhängigkeit von der Mutter besonders deutlich. Die geistige Nabelschnur, falls sie nicht sauber getrennt wird, kann dem Mann bis an das Ende seines Lebens Schwierigkeiten schaffen. Ein statisch ruhendes System gibt es in der Natur nicht, im Leben pendelt alles ruhelos um einen Gleichgewichtspunkt. Von allen Kräften die im dynamischen Gleichgewichtsprozess aktiv sind, spielen sicherlich Erziehung und Lernen eine Rolle. Dennoch ist der Mensch bei der Geburt kein unbeschriebenes Blatt. Die Spuren der « Sippe » sind deutlich identifizierbar. Aus Sicherheitsgründen hat die Natur ihm eine komplette Überlebensausrüstung beschert, im geistigen, körperlichen, sozialen genauso wie im ökologischen Bereich. Schematisch kann das menschliche Bewusstsein in drei Ebenen aufgeteilt werden. Das körperliche Empfinden oder Lebensebene, das ökologische Empfinden oder Umweltebene und das persönliche Bewusstsein oder « Ich »Ebene. Auf der körperlichen Ebene spielt das sexuelle Empfinden eine aktive Rolle. Im Lauf der Bewusstseinsentwicklung braucht der Mensch fürsorgliche Begleiter, die ihn beraten und führen. Der Weg zum « homo ecologicus » führt über Kultur im allgemeinen und Kreativität, Musik und Liebe im speziellen. Im Unbewussten des Menschen regt sich ein starker Drang nach Unsterblichkeit und die « Grossen » dieser Erde wollen auch nach dem Tode die Größten bleiben. Der letzten Entwicklungsstufe des ICH’s bieten sich zwei Orientierungen an : das Super-Ich oder das Selbst. Die Präferenz wurde allerdings schon viel früher empfunden: das Ziel wird durch den eingeschlagenen Weg bestimmt, entweder der Weg der Egozentrik oder der Weg der Selbsterkenntnis. C.G. Jung beschreibt das Selbst als göttlicher Kern im Menschen.

Fünftes Thema : Schlüssel zu neuem Bewusstsein ?
Jesus Christus, seine Lehre und Gottes Reich

Nach dem Leitsatz « Aus dem, was ich euch sage, versteht ihr nicht, wer ich bin ? » (Th.43) wird die Botschaft Christi in seiner immer noch aktuellen Überzeugungsfähigkeit und Kraft kommentiert. Seine Worte sind das Fundament einer neuen Gesellschaftsordnung, die auf nicht-materialistische Werte aufbaut. Parallelen der von Erich Fromm beschriebenen Seins-Gesellschaft und dem Reich Gottes werden hervorgestrichen. Die zweite Geburt öffnet den Weg zur Weiterentwicklung: der « homo ecologicus » wird durch eine transzendente Dimension zum «homo ecologicus amore divinus ». In Geschichtsbüchern, Evangelien und apokryphen Schriften werden Worte eines außergewöhnlichen Menschen wiedergegeben. Über Jugend und Ausbildung wird mehr spekuliert als dass bekannt wäre. Seine revolutionären Gleichnisse bleiben als Bilder in der Erinnerung markiert. Das zentrale Thema seiner Botschaft ist nicht Sünde, Kreuz und Busse sondern Freiheit, Freude und Solidarität. Sein Ziel ist das Kommen des Reich Gottes, sein Grundmotiv die Liebe. Er lehrt die Menschen Gott nicht nur in der Synagoge sondern, an jedem Ort zu begegnen. « Gott ist Geist, und die ihm begegnen wollen, müssen vom Geist der Wahrheit neu geboren sein. » (Jakobsbrunnen)

Sechstes Thema : Am Wendepunkt der Entwicklung ?
Die Zukunft des „göttlichen“ Menschen

Dieses Thema beschäftigt sich mit der Beziehung Mensch-Gott. Die Sehnsucht nach Unsterblichkeit ist im Unbewussten des Menschen fest verankert. Wo mag wohl diese Sehnsucht ihren Ursprung haben? Es wird ein neues Verständnis von Gott, dem kosmischen Bewusstsein, in Form von Geist, Materie und Energie beschrieben. Eine doppelte Herkunft des Menschen kann aus dessen Natur geschlussfolgert werden. Von irdischem Ursprung ist der Körper, das Leben und die Physis. Geist, Seele und Psyche sind ein göttliches Geschenk. Das an den Körper gebundene Ich-Bewusstsein wird durch das Selbst, entlang einer transzendenten Bewusstseins-Entwicklung, den Weg zum "kosmischen Bewusstsein" suchen, jenseits der Grenzen von Energie, Materie und Geist. Solange der Mensch Gott im Himmel vermutet, wird Gott fremd und entfernt bleiben. In jedem Menschen verbirgt sich ein göttlicher Kern, den es zu entdecken gilt. Im Hinduismus wurden sich aufeinander folgende Bewusstseins-Ebenen bis zum “Gott in mir” intuitiv erfasst.(Anhang 2) Durch die Nachfolge Christi sollte der Mensch nicht durch Meditation oder mystische Extase sondern durch Selbsterziehung, Respekt und Liebe den Weg zu Gott versuchen.
Das 21. Jahrhundert wird religiös sein oder es wird nicht sein, behauptet André Malraux. Aber welche Art von Religiosität wird sich durchsetzen ? Christi Worte sind aktueller denn je. Wird das Reich Gottes endlich zur Entfaltung gelangen?

An wen will ich mich wenden ?

Dieses Buch ist ein Versuch mögliche Wege zu einer konsequenten geistigen Erneuerung anzudeuten, die Erschließung neuer geistiger Dimensionen in Aussicht zu stellen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit oder Fehlerfreiheit wird nicht erhoben, es ist die Niederschrift meiner langjährigen Überlegungen und Erfahrungen als Mensch, Ingenieur und Politiker. In vielen vorbereitenden Diskussionen zum Thema der zweiten Geburt ist immer wieder das ganz besondere Interesse der Frauen hervorgetreten. Die Männerwelt, gefangen in der "Men no longer have jobs, but jobs have men"- Kultur, hält dieses Thema eher für nebensächlich, überflüssig und deshalb uninteressant. Aber die verborgenen, intuitiven, angeborenen Fähigkeiten der Frau fühlen sich stärker angesprochen als der rational geschulte Geist des Mannes. Dennoch sind beide gefordert ihre komplementären Wege nicht im Alleingang, sondern im "pas de deux" und im gegenseitigen Respekt zu suchen. Es gibt keine Standardrezepte, keine Patentmittel die den Weg zur Selbstfindung und geistigen Neugeburt eröffnen würden; jeder Einzelne muss seine eigenen Erfahrungen machen. Dennoch sollte der Suchende sich durch fundamentale Prinzipien leiten lassen, er muss insbesondere den Weg zur Quelle, zum Ursprung suchen und darf sich nicht von der Oberfläche, vom Sichtbaren und Evidenten, beirren lassen. Er muss sich selbst permanent in Frage stellen können. Er muss lernen frei zu sein und die Freiheit seiner Mitmenschen respektieren. Er muss vor allem die Kunst des Liebens erlernen. Er muss in der Wertfindung "strebend sich bemühen". Er muss lernen ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen, weil er sonst kaum Vertrauen in andere Menschen entwickeln kann. Er muss in allen Hinsichten unbestechlich sein, bei materiellen genauso wie bei geistigen Versuchungen : er muss lernen auf seine innere Stimme zu hören.. Jeder Suchende muss selbst stark genug werden, um frei und unabhängig zu sein und zu urteilen. Dies ist die bewusste Schule des Lebens, die Selbsterziehung zum Wesentlichen, das Abstreifen des Trivialen, die Erkenntnis seines Selbst, die Pflege einer autonomen Seins-Kultur. Die meisten Suchenden, und jeder Mensch ist irgendwann in seinem Leben mit dieser Herausforderung konfrontiert, scheitern an all diesen äußerst komplexen Vorgängen: sie geben sich mit einem intellektuellen „dolce farniente“ zufrieden. Wer nicht fähig ist, aus negativen Erfahrungen zu lernen und Verhaltenskorrekturen durchzuführen, wird nicht in der Lage sein, den entscheidenden Lernprozess zu aktivieren. Der Mensch braucht andere Menschen, die er lieben kann und die ihn lieben. Er braucht Begleiter die wie er selbst, ohne Berücksichtigung eigener Interessen, ihn in allen Situationen unterstützen, die an ihn glauben und in ihm Selbstvertrauen hervorrufen. Ein Begleiter muss einzig und allein fähig und gewillt sein, dem suchenden Menschen Hilfe anzubieten und ihm eine uneigennützige Stütze zu sein. Der Suchende muss also zugleich Begleiter sein können. Im anbrechenden Informationszeitalter häufen sich die Anzeichen, dass die Entwicklung des menschlichen Geistes endlich an die Schwelle neuer Möglichkeiten stößt, dass dem menschlichen Geist eine Art von Neugeburt bevorsteht.

Genauso wie bei der physischen Geburt, ist der Frau die Schlüsselrolle bei der geistigen Geburt zuerkannt. Dieses Buch besonders wurde für jene Frauen geschrieben, die sich ihrer Mission schon immer im tiefsten Inneren intuitiv bewusst waren. Und das sind, meiner Meinung nach, alle Frauen.


„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh. 8.12)